Berichte aus der neuen Heimat

Stubby ehemals Stummel

Liebe Freunde der Tierhilfe Obere Roggenmühle,

jetzt muss ich Euch doch mal berichten wie es mir in meiner neuen Heimat so geht. Ich heiße jetzt Stubby und geb auch fleißig Antwort wenn mich einer meiner neuen Zweibeiner so anspricht. Aber das mach ich gerne, bin ja auch so sehr redselig, v.a. wenn das mit dem Öffnen der Dose mal wieder zu lang dauert.

Ich hab mich hier prima eingelebt. Meine neue Freundin Stella hat mich am Anfang etwas angefaucht, aber das war OK, schließlich kannten wir uns noch nicht und vorher war sie eben alleinige Chefin. Mittlerweile faucht sie aber nur noch selten, meistens wenn ich ihr mal wieder etwas zu übermütig bin. Aber mit meinem Charme werde ich sie schon noch einwickeln. Einmal hab ich sie am Köpfchen beschmust, da konnte sie vor lauter Überraschung nicht mal fauchen. Wir nähern uns mit beschnuppern und Näschen geben immer mehr an.

Den verwaisten Kratzbaum habe ich mit voller Freude in Beschlag genommen. Ganz oben lieg ich gern und hab alles im Blick und unten in der Hängematte kann ich meinen Bauch in der Sonne wärmen. Was mir auch großen Spaß macht, ist durch die Wohnung zu fetzen und zu spielen. Wenn ich mal wieder im Übermut von Zimmer zu Zimmer durch den Flur galoppiere können meine Zweibeiner manchmal nur den Kopf schütteln. Tja, die Energie muss halt raus.

Bei meinen Zweibeinern bin ich noch immer etwas vorsichtig, obwohl ich das immer mehr ablegen kann. Das Streicheln und Beschmusen tut einfach zuuuu gut und ich will da immer mehr von. Aber wenn sie so weiter machen, werden sie mein Vertrauen auch noch für sich gewinnen. Alles zu seiner Zeit.

Es grüßt Euch Euer alter Freund

Stubby

 

Ein langer - aber wie wir finden - ein sehr schöner Bericht über einen Kater, der im Tierheim keinen Kontakt zu uns Menschen wollte:

Wiesel - auch scheue Katzen verdienen eine Chance

Nachdem sich unser Kater „Hörbe“ von einem Hundebiss nicht mehr erholte und 5 Monate später erlöst werden musste, waren unsere verbliebenen Kater nunmehr nur noch zu zweit. Zudem ein ungleiches Paar. Da war der Bruder von „Hörbe“, „Fripouille“, ein 13-jähriger „Rentner“, welcher das Leben sehr ruhig angehen lässt und seine Hauptaufgaben im Leeren des Futternapfes sowie dem Schäfchenzählen sieht.

Und da war unser „Winnie“. Ein Springinsfeld, dessen genaues Alter und Herkunft unbekannt sind. Er wurde 2014 als Fundtier in der Tierhilfe Obere Roggenmühle abgegeben.


Für Winnie wurde ein Spielkamerad gesucht

Da wir, meine Frau und ich, dort schon über Jahre als „Katzenstreichler“ zugegen sind, nahmen wir damals den kleinen Kerl auf. Er verstand sich mit „Hörbe“ prima und sah in ihm wohl so etwas wie einen großen Bruder oder Kumpel. „Hörbe“ war seinerzeit der Chef in der Nachbarschaft und regelte so manches Aufbegehren anderer Kater mit seiner Ausstrahlung.  So konnte „Winnie“ mit ihm auch nach Herzenslust raufen und balgen. „Hörbe“ machte mit, war jedoch immer sehr passiv. Er war sich wohl sicher, wenn er nur wollte, könne er „Winnie“ mit Haut und Haaren fressen. Tja und dieser Spielkamerad fehlte „Winnie“ fortan doch sehr. Nun sollte „Fripouille“ vermehrt als Sparringspartner herhalten, was dieser mit Fauchen und Flucht beantwortete.

So konnte es also nicht weitergehen. „Fripouilles“ Lebensqualität sank merklich und in uns reifte der Gedanke, einen weiteren Kater aufzunehmen. Durch unsere Tätigkeit in der RM waren wir ja quasi an der Quelle zu bedürftigen Fellnasen.

Nach reiflichen Überlegungen und einigen Gedankenspielen zog sich der Kreis immer mehr um „Wiesel“ zusammen. Der kleine Kater war nun schon seit knapp zwei Jahren in der Tierhilfe Zuhause und der Letzte seines Wurfes. Alle anderen waren bereits vermittelt. Kein Wunder, war „Wiesel“ eigentlich kaum zu sehen. Ständig versteckt existierte er praktisch überhaupt nicht. Und wenn er mal seine Höhle verließ, dann war er so wieselflink unterwegs, sodass man ihn nur von hinten zu sehen bekam. Vermittlungschancen also nahezu 0… . Aber auch solche Tiere freuen sich über ein schönes Zuhause. So stand schließlich der Entschluss fest, „Wiesel“ kommt zu uns!

Wir bereiteten unser Quarantänezimmer (dort nahmen wir schon die eine oder andere Fellnase auf, um sie aufzupäppeln und weiterzuvermitteln) in unserem Haus für den Neuzugang vor. Ausgestattet mit allem was eine Katze braucht, dübelte ich extra für den kleinen Mann - der es ja sehr mochte möglichst hoch und unerreichbar zu sein - diverse Kratzbaum-Elemente an die Wand. So konnte er im wahrsten Sinne der Worte die Wände hochgehen.

Da Anfassen und Einfangen bei „Wiesel“ nicht in Frage kam (konnte er in der ganzen Zeit, die er in der Roggenmühle verbrachte noch nicht einmal auch nur mit einem Finger von uns berührt werden), war List und Tücke beim Einfangen gefragt. Unerwartet schnell gelang es meiner Frau, „Wiesel“ in unsere Transportbox zu locken und die Klappe zu schließen. Puhh, die erste Hürde war genommen.

Nächste Station war die Tierärztin. Wir waren uns natürlich bewusst, dass es nicht mehr oft möglich war, ihn einzufangen. Im Behandlungsraum büxte der flinke Kerl trotz unserer eindringlichen  Warnungen aus und rannte erstmal mehrere Ehrenrunden durch den Raum. Nicht gerade zur Freude der Tierärztin. Doch mit ihrer Erfahrung gelang es ihr recht schnell, den Ausreißer mittels einer Betäubung durch eine Art Blasrohr, ruhigzustellen. So konnte „Wiesel“ völlig stressfrei untersucht, gechippt  und geimpft werden. Der Fellbär war gerade fertig und in der Box verstaut, da wachte er aus seiner Kurznarkose auf. Optimales Timing… Danach traten wir die letzte Etappe unserer Reise an. Es ging nach Hause.

Kaum aus der Box herausgeschlichen, führte „Wiesels“ erster Weg zur Katzentoilette. Dann noch ein Rundgang am Zimmerbrunnen vorbei und zack hinter das Sofa. Unsere beiden Kater ahnten zwar, dass etwas anders war, nur noch nicht, was. Ein Kontakt zu dem „Neuen“ stand noch nicht auf dem Plan. 



Der schüchterne Wiesel kurz nach seinem Einzug

Die nächsten Tage war „Wiesel“ erwartungsgemäß nicht zu sehen. Nach einer knappen Woche traute er sich gegen spät abends ganz vorsichtig heraus. Mumiengleich verharrten wir auf dem Sofa und folgten dem Kleinen nur mit den Augen. Und wenn bewegen, dann nur im Zeitlupentempo…

Da ich während der ersten Wochen, welche „Wiesel“ bei uns verbrachte aufgrund dreier angebrochener Rippen krank Zuhause war, konnte ich mich annähernd die ganzen Tage und Nächte in „Wiesels“ Zimmer aufhalten. Natürlich zur Unmut der beiden anderen Kater.



Nach zwei Wochen stand dann das erste Zusammentreffen auf dem Zettel. Wie zu erwarten verlief das völlig aggressionsfrei. „Fripouille“ geht sowieso lieber jedem Streit aus dem Wege, „Winnie“ sieht allen auch nur das Gute und „Wiesel“ ist viel zu vorsichtig, um andere in die Schranken zu verweisen. Unsere Hoffnung trat ein und „Winnie“ war Feuer und Flamme ob seines neuen Spielkameradens. Täglich vertrieb er sich lieber in dem Zimmer mit „Wiesel“ die Zeit, als dass er draußen herumstreunte. Das klappte ja hervorragend und wir sahen die Zeit gekommen, „Wiesels“ Aktionsradius um ein Zimmer zu vergrößern. Mittels eines Balkonnetzes trennte ich das Treppenhaus ab und „Wiesel“ hatte wieder etwas mehr zu erkunden. Da wir in annähernd jeder Zimmertür unseres Hauses auch Katzenklappen verbaut haben, konnte „Wiesel“ auch recht schnell daran gewöhnt werden. Nach vier Wochen wanderte das Balkonnetz eine Etage tiefer und „Wiesels“ Welt wurde erneut größer. Es gab noch mehr Möglichkeiten über Deckenkratzbäume und Katzenklappen neue Zimmer und Verstecke zu erkunden. Somit wurde auch die Rennstrecke für unsere „WiWi`s“, also „Wiesel“ und „Winnie“ größer. Was für ein Spaß…





Da „Wiesel“ noch nicht ins Freie durfte, „Winnie“ allerdings schon, brachte Letzterer seinem Freund einmal eine Maus mit und trug diese extra über zwei Stockwerke ganz nach oben, um sie dort vor dem Balkonnetz abzulegen. Gibt es einen größeren Freundschaftsbeweis?

Es dauerte nicht mehr lange, dann sollte „Wiesel“ auch noch ins Erdgeschoss und in den Keller dürfen. Damit er sich an das Geräusch unserer Chipklappe gewöhnen und gleichzeitig sein Chip abgespeichert werden konnte, baute ich die Klappe im Keller kurzerhand aus und in ein Brett 800x1100mm ein. Wenn er nun in das Wohnzimmer wollte, musste er da durch. Das funktionierte bereits im zweiten Anlauf und danach anstandslos. Das relativ laute Klacken der Verriegelung stellt nun kein Hindernis mehr dar.







Seit nunmehr zwei Wochen steht „Wiesel“ die Welt offen und er verstand es sofort, wo sein Zuhause war. Im Keller zur Klappe im Lichtschacht raus und ums Haus herum zur offenen Terrassentür wieder hinein. Oder umgekehrt. Dazu noch stets gefüllte Futternäpfe, ein klasse Spielkamerad, der die besten Kletterbäume kennt und zwei verständnisvolle Menschen, welche viel mit einem spielen und nicht böse sind, dass Streicheln noch ein Fremdwort bedeutet. Was will ein schüchterner Kater mehr?

So sieht die Geschichte um „Wiesel“ aus, dem wir trotz seiner äußerst scheuen Art ein hoffentlich langes und glückliches Leben zu ermöglichen versuchen. Und vielleicht dankt er es uns ja irgendwann einmal und setzt sich neben uns auf das Sofa. Und in ferner Zukunft so wünschen wir es uns, erkennt er, dass gestreichelt und gekrault werden auch ganz cool ist.

In diesem Sinne sei gesagt, gebt auch scheuen Tieren eine Chance.

Sandra und Poldi aus Hausen

Columbo alias Gustav

Liebe Tierschützer,

Sie erinnern sich bestimmt an den Fall der alten Dame, bei der Sie im September 2013 fast 40 Katzen aus der Wohnung befreit haben. Eine Gruppe dieser Tiere kam ins Stuttgarter Tierheim nach Botnang.

Ich war im Herbst 2013 auf der Suche nach einer Zweitkatze  für meinen Kater Rembrandt, dessen Bruder einige Wochen vorher gestorben war.

Auf der Website des Tierheims in Botnang entdeckte ich die Gruppe aus Geislingen und wollte eigentlich einen der beiden weiße Kater (Gavin oder Gabriel) adoptieren. Die Tiere waren bei meinem Besuch noch immer so verängstigt, dass sich keines aus seiner Höhle traute. Aber einer saß auf dem Regal, starr vor Angst, und das war der kleine Gustav, der nur ein Auge hat. Gustav flitzte dann auch in eine Höhle, aber als ich den Katzenraum in Botnang verlassen hatte und mich noch nach den Tieren umsah, da stand Gustav mitten im Raum und sah mir nach. Und da war es um mich geschehen.

Einige Tage später holte ich Gustav zu mir nach Hause und er durfte sich zunächst in meinem Arbeitszimmer ganz in Ruhe eingewöhnen. Ich betrat den Raum lediglich zum Füttern, Katzenklo säubern und nach dem Rechten sehen. Der kleine Kater hatte so Panik, dass ich ihn kaum zu Gesicht bekam. Und wenn doch, dann fauchte er mich an.

Nach einer Woche öffnete ich die Tür. Herr Rembrandt hatte keine Gelegenheit, seinen neuen Gefährten kennenzulernen, denn Gustav bliebt zunächst unsichtbar. Ich beschloss aber, ihm einen neuen Namen zu geben, seitdem heißt er Columbo.





Columbo zog nach einigen Tagen in die Toilette um, einen Innenraum, da kann man sich prima neben dem Klo verstecken. Nach einer weiteren Woche sah ich ihn eines Abends ganz schnell und ganz flach durchs Wohnzimmer schnüren. Damit war er auf den Kratzbaum umgezogen und sondierte mehrere Tage aus luftiger Höhe die Lage. Und dann, eines Abends, ganz unvorbereitet, spürte ich plötzlich seine kleine feuchte Nase an meiner Hand.



Das ist nun ziemlich genau 3 Jahre her und aus Columbo ist ein fröhlicher, lustiger Kater geworden. Sein Kumpel Rembrandt hat ihm beigebracht, dass Streicheln schön ist, dass Fellbürsten superschön ist und eine kleine Tour durchs Treppenhaus ungefährlich ist. Columbo liebt es,  im Sommer stundenlang auf dem Balkon zu liegen und die Straße zu beobachten. Er hat ein echtes Löwenherz, er ist mutig, liebevoll, clever, sanft und freundlich. Natürlich wird er manche Ängste immer haben und auch eine gewisse Schreckhaftigkeit. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was er gelernt und wie er sich entwickelt hat.



Danke, dass Sie ihn gerettet haben. Er macht mir so viel Freude. Anbei ein paar Fotos. Sie werden ihn bestimmt wiedererkennen.

Kirsten aus Waiblingen mit Colombo und Rembrandt

Rocky - Bilder aus seiner neuen Heimat

Tyson

Ein Bild von Tyson im Tierheim:



und hier in seinem neuen Zuhause: